Naturnähe

Erlebnispädagogik, Wildnistraining, Projektbegleitung

Was ist Wildnispädagogik

Dem Begriff der Wildnispädagogik kann man sich von verschiedenen Standpunkten her nähern.

Weit verbreitet ist eine eher unreflektierte Nutzung des Wortes (Wildnis-)Pädagogik, vielleicht aber nah am ursprünglichen Verständnis von päda-gogein: Der Begleitung von Menschen zu einem Lernort, hier bei der Begegnung mit der Natur. Reflektiertere Wildnislehrer deuten Wildnispädagogik als Mentoring im Austausch mit Natur als heilsamen Raums und dem eigenen Wesen der Mentees.  


In der Wildnis-Szene ist die fachliche Herangehensweise an Wildnispädagogik als pädagogischer Ansatz und Methodenpool wenig beliebt, lebt der Bereich doch davon, unbelastet von Intellekt und Verstand in Wahrnehmung und Verbindung zu treten und mit seinem Ursprungsraum vertraut und in ihm heimisch zu werden. Eine Differenzierung zwischen Wildnispädagogik und Wildnismentoring erfolgt leider bisher nicht.

Wildnispädagogik befasst sich nach unserem Verständnis mit der Auseinandersetzung und dem Wiedereinfinden in den ur­sprünglichen Lebensraum des Menschen – die Natur, von vielen indigenen Völkern eher als Mitwelt empfunden als als Umwelt. Dies sowohl als Selbstzweck, wie auch als pädagogisches Mittel.


Das Eintauchen in diesen von harmonisierten Lebensraum frei von medialer Reizüberflutung bietet Herausforderungen, Räume der Stille und Erholung und Primärerfahrungen, ähnlich denen der klassi­schen Erlebnispädagogik. Hierbei kann vielerorts auf Inszenierungen verzichten werden und das Ge­schehen wirkt unmittelbar und authentisch auf den Klienten, der sich in der Reduktion auf die Grundbedürfnisse des Lebens in Form von Wärme, Wasser, Nahrung und Obdach/ Schutz wieder auf diese Basis des Lebens und sich selbst konzentrieren kann.

Grundlegendes Prinzip der Wildnispädagogik ist die Vermittlung von sogenannter Wildnis­fer­tig­keiten als Rahmenhandlung, in die neben der Vermittlung erprobten und tradierten Wissens indigener Völ­ker und vergangener Generationen die Förderung der Wahrnehmung und Coyote-Teaching einge­bunden werden.

Elementare Methoden sind hierbei die Vermittlung von Selbstwirksamkeitserfahrungen über Wild­nisfertigkeiten (Feuerbohren, Bogenschießen, Fährtenlesen, Unterkunft bauen u.ä.) und das Coyote-Teaching, eine nicht-direk­tive und ganzheitliche Lehrmethode. In Orientierung an der mythologi­schen Bedeutung des Koyoten vieler indigener nordamerikanischer Volksgruppen wird hierbei ver­sucht, Neugier zu wecken. Das Lernen erfolgt über Beobachten, Nachahmen, Üben und Problemlö­sen. Medien können ge­zielt eingesetzte und spannungsweckende Fragen, Rätsel und Probleme ebenso sein, wie auch ggf. gezielte Falschinformation oder die Begleitung auf Wegen, die aus Sicht des An­lei­ters nicht zum Erfolg führen können um Selbsterkenntnis zu ermöglichen.


Eine Klassifizierung als pädagogisches Instrument ist also ebenso gerechtfertigt, wie die Abgrenzung der Wildnispädagogik von der klassischen Pädagogik auf Grundlage des Verständnisses von Wildnispädagogik als Selbstzweck.

Unter einem anderen Aspekt ist Wildnispädagogik praktische und in mehreren Ebenen Bezug stiftende Umweltbildung . Kaum ein Jugendlicher interessiert sich dafür, was Pappel, Erle und Esche verbindet und unterscheidet. Viel eher aber dafür, welches Holz einen guten Bogen ergibt (handwerkliche Ebene). Wildnispädagogik vermittelt Interesse (geistige Ebene) und  Dankbarkeit für die Gaben der Natur (emotionale Ebene) und vielleicht findet der eine oder andere über diesen Weg eine gewisse Erkenntnis der Schöpfung oder einen Raum der Einkehr und Verbindung (spirituelle Ebene). Leider bleiben viele Vertreter klassischer Umweltbildung das „warum“ und „wozu“ der Wissensvermittlung schuldig, die Verbindung des Menschen mit „Wildnis“ weckt hier aber potentiell und unbewusst das Bedürfnis nach Bildung, wohl aber auch nach sinn- erfüllter Bildung.